Sonntag, 31. August 2014

Reflexionen

Das Druckgraphik-Atelier . Edition Kellerdruck, stellt unter diesem Titel Druckgraphik zu Literatur von Ingrid Bertel, Egon Bresien, Ute Hausfeld, Dagmar Hintzmann, Angelika Ludwig, Harald Reibke und Jutta Schölzel vor. Die sieben unabhängigen Künstler der "Freien Gruppe Druckgrafik", basierend auf einem 1980 durch den Maler und Graphiker Egon Bresien gegründeten „Zirkel für Druckgraphik“, nutzen in Köpenick ein Gemeinschaftsatelier mit einer Tiefdruckpresse. Dort pflegen sie die Technik der Radierung und sie haben schon zahlreiche gemeinsame Ausstellungen vor allem zur Literatur organisiert. Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach hat Radierungen dieser Gruppe angekauft und auch das Kleist-Museum in Frankfurt/Oder besitzt eine Mappe mit Radierungen.
Egon Bresien, 2014, Kaltnadel, zu J. Joyce
Druckgraphik zu Literatur heißt nicht zwingend: Illustration der Literatur. Heinrich Heine schrieb: „Mein Wahlspruch bleibt: Kunst ist der Zweck der Kunst, wie Liebe der Zwecke der Liebe, und gar das Leben selbst der Zweck des Lebens.“ Und so zeigt diese Präsentation verschiedenste Auseinandersetzungen mit der selbstgewählten Literatur. Ingrid Bertel ließ sich von Gedichten von Wisława Szymborska zu freien Farbarbeiten anregen. Egon Bresien arbeitete zu Finnegans Wake von James Joyce, dem darin mehr am Klang und am Rhythmus als am Sinn lag. Eine Übersetzung, wird gesagt, verbietet sich von selbst. Sich mit grafischen Mitteln dieser Literatur zu nähern war ihm eine Verlockung, die von Verbotenem ausgeht, mit der Gewissheit, sich dabei die Finger zu verbrennen. Ute Hausfeld, Kaltnadelradierungen u.a. zu Christa Wolf und Martin Walser, sagt: „Die bildnerische Umsetzung entsteht als Extrakt aus den jeweiligen literarischen Werken. Die grafische Darstellung ist ein intuitiver Prozess, es ist wie 'Schreiben', nur zeichnerisch. Dagmar Hintzmann schuf Reservagen mit Aquatinta und Strichätzung zu Annemarie Schwarzenbach, berührt von ihrem Leben und ihrer Stellungnahme gegen Unrecht. Harald Reibke nachvollzog für seine Aquatinta-Arbeiten zu Theodor Fontane einen Teil der Fontane-Reise durch die Mark Brandenburg. Eine Farbradierung schildert die unmenschliche über 30 jährige Gefangenschaft der Bildhauerin Camille Claudel. Jutta Schölzel hat sich auf die Spuren von Penthesilea begeben, deren Stolz, Aufrichtigkeit und inneren Kampf Kleist so eindrucksvoll beschrieben hat.
(Eberhard Hartwig)

Eröffnung: 13. September 2014, 17-19 Uhr
Musik: Hanno Koloska, Fagott, und Angela Wingerath, Stimme, Improvisationen.
Ausstellung: 13. September bis 14. Oktober 2014

Druckgraphik-Atelier . Edition keller-druck
Dietrich-Bonhoeffer-Str. 3
10407 Berlin

Samstag, 30. August 2014

Neues vom kosmischen Phantasten

Schon einmal, im Bibliophilen-Blog vom 15. Februar 2014, wurde ein unbekannter Text des Zeichners und phantastischen Schriftstellers Paul Scheerbart vorgestellt, und schon wieder ist ein weiterer gesichtet worden, der am 30. April 1890 in der „Täglichen Rundschau“ erschienen ist und den Titel trägt „Das altorientalische Museum zu Berlin“. Der Text war, wie die alsbald durchgeführte Suche ergab, den Scheerbart-Bibliographen, den Herausgebern der „Gesammelten Werke“ und den Scheerbart-Forschern noch nicht bekannt. Dabei ist die Verwendung altorientalischer Motive bei Scheerbart schon mehrfach untersucht worden, so von Mechthild Rausch, der Herausgeberin vieler Scheerbart-Texte. Die wichtigste Arbeit zu diesem Thema stammt von dem FU-Germanisten Peter Sprengel. Sie ist im „Jahrbuch preußischer Kulturbesitz“ von 1992 erschienen und befasst sich unter dem Titel „Museums-Poesie“ mit „Archäologie und Ästhetik in Scheerbarts assyrisch-babylonischen Novelletten“. Sprengel weist nach, dass Scheerbart ein „Verzeichnis der Bestände des altorientalischen Museums“ von 1889 benutzt hat, aus dem er Namen, historische Fakten und Einzelobjekte für seine Texte gewonnen hatte. Wie gut Scheerbart aber die Kunst des Alten Orients aus eigener Anschauung kannte, konnte bisher nur vermutet werden. Der neue Textfund bestätigt, dass Scheerbart die Sammlungen der Berliner Museen genau gekannt hat. Das belegt auch ein (bekannter) Paralleltext Scheerbarts aus derselben Zeit, in dem er die Bestände des ägyptischen Museums beschrieben hat. „Der Orient, der in Scheerbarts Werken vielmehr psychologischer Topos als realer Ort ist, blieb zeitlebens Spiegel und Projektionsfläche seines Gefühlslebens“ schreibt Mechthild Rausch.
Was ergibt sich aus dem neuen Textfund? Die Scheerbartforschungen sind um einen kleinen Zuwachs an Kenntnissen bereichert worden, eine Leerstelle wurde mit dem genau passenden Objekt gefüllt. Den Herausgebern der Gesammelten Werke Scheerbarts und den Bibliographen wird ein erneuter Wink gegeben, der sie auf die Lückenhaftigkeit ihrer Textkenntnisse hinweist. Und drittens wird der Zeitungs- und Feuilletonforschung deutlich gemacht, daß die Inhaltserschließung der Zeitungen des 19. Jahrhunderts (ein schon vor Jahrzehnten angestrebtes, nie aber realisiertes Projekt) eine Aufgabe ist, deren Erledigung immer dringender erscheint.
(Ulrich Goerdten)
Durch Klick auf den Ausriß kann der Artikel gelesen werden.

Freitag, 29. August 2014

Dem gedruckten Buche

In der Kunstgalerie Altes Rathaus Fürstenwalde findet ab Mitte September 2014 die 8. Ausstellung Miniatur in der bildenden Kunst statt. Die erste Miniaturausstellung öffnete 1982, also vor gut 30 Jahren ihre Pforten. In diesem Jahr soll sie sich dem gedruckten Buch widmen.
Helga Weidenmüller, Miniatur-Buch, 2013, Zeitung, bearbeitet,Tusche, Acryl, Wachs.
Das gedruckte Buch, so wird einerseits vorhergesagt, sei eine aussterbende Spezies – andererseits wächst die schier unübersehbare Vielfalt an Gedrucktem von Jahr zu Jahr. Titelseiten drängeln sich unter Aufbietung immer neuen grafischen Firlefanzes um die Aufmerksamkeit überforderter Betrachter an den Büchertischen. Effekthascherei will Wertigkeit vorspiegeln. Bibliophile Kostbarkeiten sind rar und wirklich teuer.
Jedoch, Buch ist nicht gleich Buch. Es sind nicht nur die teuren Faksimile-Ausgaben, die wir immer wieder gern hervor holen um sie beim Betrachten zu berühren. Bildbände sowieso. Schwer vorstellbar, Herman Melville oder James Joyce nicht einfach aus dem Schrank ziehen zu können, um drin zu stöbern. Also, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das papierne Buch weiterhin den Bestand neben seinem digitalen Pendant behauptet, sozusagen in friedlicher Koexistenz. Auch dafür will die 8. Miniatur in der bildenden Kunst eine Lanze brechen.

Vernissage: 13. September 2014
Ausstellung: 14. September bis 21. November 2014
Finissage: 22. November 2014

Kunstgalerie Altes Rathaus Fürstenwalde
Am Markt 1
15517 Fürstenwalde/Spree

Das ist das Kampfzeichen

In der Medien-Galerie Berlin findet unter diesem Titel in Zusammenarbeit mit der Büchergilde Frankfurt/M und der Büchergilde-Buchhandlung am Wittenbergplatz, dem Karl-Richer-Verein und Luise Dressler eine Ausstellung aus Anlass des 90jährigen Bestehens der Büchergilde Gutenberg statt.
Buchdrucker engagierten sich seit 1848 für die Fortbildung als wesentliches Mittel zur Verbesserung ihrer sozialen Lage. Sie organisierten sich gewerkschaftlich und gründeten Vereinigungen, um ihre beruflichen Qualifikationen ständig zu verbessern und weiterzuentwickeln, denn sie erkannten, ohne die Fähigkeit zu lesen und ohne gehaltvolle Bücher, die für alle erschwinglich sind, gibt es keinen Fortschritt. Am 29. August 1924 beschloss der Bildungsverband der Buchdrucker dann einstimmig den Antrag von Bruno Dreßler zur Gründung der Büchergilde Gutenberg.
Bis 1933 wuchs die Zahl der Mitglieder auf 85.000, und es wurden 174 Bände verlegt. Die Nationalsozialisten verboten und verbrannten auch die Gilde-Bücher, vertrieben und ermordeten die gewerkschaftlichen Bucharbeiter und versuchten gleichzeitig, die populäre Büchergilde für ihre mörderischen und menschenverachtenden Ziele einzusetzen. Am Ende waren trotzdem sie die Verlierer. Die Büchergilde überlebte im Exil in der Schweiz und entwickelte sich, dank ihrer europäischen Mitglieder und Verbindungen, weiter.
Nach dem Krieg gründeten Bruno Dreßler und sein Sohn Helmut, mit Unterstützung der Gewerkschaften, die Büchergilde in Frankfurt neu. Die Büchergilde ist unabhängig und ihrer Leitidee treu geblieben – Gute Bücher, sorgfältig gestaltet, zu einem erschwinglichen Preis. In diesem Jahr hat die Büchergilde Gutenberg beschlossen, zur Genossenschaft zu werden und sie greift eine Tradition aus ihren Jugendjahren wieder auf, ihre grenzüberschreitende europäische Vernetzung.
(nach einer Information der MedienGalerie)

Ausstellung: 29. August bis 17. Oktober 2014

MedienGalerie Berlin
Dudenstraße 10, 10965 Berlin

Mittwoch, 27. August 2014

Heinz Hellmis (1935 - 2014)

Gestern, am 26. August, verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit das Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, der Graphiker und Typograph Heinz Hellmis.
Vor 50 Jahren entstand seine erste Arbeit für die Pirckheimer-Gesellschaft, die im Bleisatz mit Holländisch Antiqua gedruckte Beilage für die MARGINALIENDas Wandbild“ mit chinesischen Geister- und Liebesgeschichten, der Titel geschmückt mit drei chinesische Schriftzeichen in der Form eines asiatischen Schriftbandes. Den MARGINALIEN blieb Heinz Helmis treu und er gestaltete darüber hinaus, nicht nur für die Pirckheimer-Gesellschaft, eine Vielzahl weiterer Bücher.
Der Ausspruch Willibald Pirckheimers „Sibi et amicis“ (Für sich und Freunde) ist auch das Motto einer Buchreihe, die Heinz Hellmis herausgab. Seine Lieblingsschrift war die Breitkopf  Fraktur. Die von ihm herausgegeben Reihe Edition Zwiefach vereint jedoch viele typographischen Kostbarkeiten. Ein Heft ist Sebastian Windprecht, dem blinden Antiquar zu Augsburg gewidmet, ein anderes ist Jean Pauls „Durst nach Büchern in geistiger Saharawüste“. Hans Fallada, Anna Seghers, Bertolt Brecht, Peter Rühmkorf – für jeden Autor fand der Grafiker eine zeitgemäße Typographie. Ursprünglich als Beigabe zu den MARGINALIEN gedacht, gab sie Heinz Hellmis später gebunden selbst heraus.
Heinz Hellmis widmete sein Leben den Büchern, erst als Buchgestalter und Typograph bei Das Neue Berlin, später als Künstlerischer Leiter und Cheflektor des Aufbau-Verlages und bei Rütten & Loening, zuletzt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Verlegerin und Malerin Linde Kauert, im Atelier der Edition Zwiefach. In dieser Edition erschien in den letzten Jahren eine stattliche Sammlung von Büchern, die sich alle durch ausgefallene Typographie zu behaupten wissen.
Viele Bücherfreunde konnten Heinz Helmis auf der Leipziger Buchmesse kennenlernen, das letzte Mal traf man ihn dort im März am Stand seiner Edition Zwiefach. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Buchwelt.
Am 18. September um 13.00 Uhr haben Freunde Gelegenheit, sich in der Kapelle des Friedhofes Heerstraße, Trakehner Allee 1, 14053 Berlin, von Heinz Hellmis zu verabschieden. Anstelle von Blumengebinden und Kränzen wird um eine Spende für den Grabstein gebeten.

Held mit dreister Feder

Unter diesem Titel erschien vorgestern in der Berliner Zeitung ein weiterer Beitrag zum 20sten Todestag des Gründungsmitglieds der Pirckheimer-Gesellschaft Werner Klemke und zu seinem, lange unbekannt gebliebenen, mutigen antifaschistischen Handeln als Wehrmachtssoldat.
Werner Klemke, Evie de Jong-van Perlstein, Mels de Jong (v.l.),
Foto: Privatarchiv van Perlstein
Ingeborg Ruthe schreibt: "Wahrscheinlich gab es zu DDR-Zeiten kein Kind, das nicht die von Werner Klemke illustrierten Grimm- und Andersen-Märchen griffbereit im Regal stehen hatte, gewiss auch den „Hirsch Heinrich“. Oder, wenn man etwas älter war, Grimmelshausen, E.T.A. Hoffmann, Kleist, Kästner, Brecht, Homer, Shaw, Faulkner, Diderot, Balzac, Voltaire.
Es gab in der DDR wohl auch keinen Erwachsenen, der den Klemkeschen Kater auf dem Einband des begehrten, monatlich erscheinenden „Magazin“ nicht mochte und, sofern im Besitz eines der begehrten Abonnements, die Hefte sammelte."
Und Ingeborg Ruthe verweist auf das, "was ... keiner wusste, (nämlich) dass dieser begnadete Buchkünstler und Entwerfer von Plattencovern, Briefmarken, Bühnenbildern, Postkarten, Plakaten und Exlibris, dieser ambitionierte Gastgeber einst, als junger Wehrmachtssoldat im Zweiten Weltkrieg in Holland, NS-Verfolgte gerettet hat."
 
Der gesamte Artikel kann hier nachgelesen werden.

Dienstag, 26. August 2014

9. Frankfurter Antiquariatsmeile

Antiquariatsmeile 2013, Foto © Museum Giersch
Am kommenden Wochenede werden sich über 20 Aussteller, überwiegend aus dem Rhein-Main-Gebiet, auf der neunten Antiquariatsmeile anläßlich des Muse|ums|ufer|festes Frankfurt am Main mit Verkaufsständen vor dem Museum Giersch präsentieren. Der Museumsleiter Manfred Großkinsky betonte, "die Antiquariatsmeile zählt zu den kulturellen Highlights des Museumsuferfestes" und wies darauf hin: "Der Besuch ist auf jeden Fall lohnenswert." Liebhaber antiquarischer Bücher und anderer Raritäten können dann wieder in ca. 50 Pagodenzelten ausgiebig stöbern und den Jüngsten steht ein Kinderbastelzelt zum Malen, Spielen und Basteln zur Verfügung.

Messe: 30. und 31. August 2014, ab 10 Uhr
 
Frankfurt am Main
Museum Giersch

Montag, 25. August 2014

Frankfurter Buchmesse in Berlin

Der Themenraum der Amerika-Gedenkbibliothek versammelt die spannendsten Neuerscheinungen der Frankfurter Buchmesse druckfrisch: Romane, Sachbücher, Hörbücher und neue Bücher der Bundeszentrale für politische Bildung. In Frankfurt werden auch der Deutsche Buchpreis und der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen: Der Themenraum stellt die nominierten Bücher und einen Rückblick auf die Preisträger der letzten Jahre zur Ansicht und zum Mitnehmen aus.

Ehrengast der diesjährigen Buchmesse ist Finnland – endlich erscheinen mehr Übersetzungen aus dem Finnischen auf dem deutschen Buchmarkt! Es werden die besten neuen Bücher aus und über Finnland vorgestellt.

16. September bis 23. Oktobber 2014

Amerika-Gedenkbibliothek der ZLB, Salon
Blücherplatz 1
10961 Berlin – Kreuzberg

Samstag, 23. August 2014

Werner Klemke zum 20sten Todestag

Am 26. August 1994 verstarb das Gründungsmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft Werner Klemke. Dieser Perrsönlichkeit widmen sich einige Beiträge, so u.a. vom Pirckheimer Harald Kretzschmar und dem Berliner Drucker Martin Z. Schröder.
 
Der Artikel von Harald Kretzschmar in der Wochenendausgabe des Neuen Deutschland unter der Überschrift Die Haltung des Zeichners widmet sich der Frage: Was zum frühen Werner Klemke dringend zu erinnern ist. Kretzschmar schildert die späte Erinnerung an die antifaschistische Vergangenheit von Werner Klemke. "Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will - dieser Sinnspruch ist recht vielseitig zu deuten. Wer dazu neigt, krumme Sachen zu machen, übt sich darin beizeiten, das ist eine mögliche Bedeutung. Die Generation des 1917 geborenen Berliner Zeichners Werner Klemke war auf fatale Weise dieser Verführung ausgesetzt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde sie schwerbewaffnet ausgesandt, in ...".

Martin Z. Schröder stellt seinen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22. August unter die Überschrift: Ein Held aus dem Antiquariat und untertitelt: Werner Klemke war der große DDR-Grafiker. Zuvor nutzte er seine Kunst, um Leben zu retten.
Er würdigt ausführlich die Bedeutung Klemkes in der Graphikszene der DDR und darüber hinaus: "Werner Klemke? Sein Ruhm schwappte kaum über die innerdeutsche Grenze. Wer heute von der Buchkultur in der DDR schwärmt, meint ... auch (die) nicht eben wenigen illustrierten Werke, die Kinderbücher, die schönen Klassikerausgaben. Und dann ist man auch schon bei Werner Klemke, dem ostdeutschen Großmeister des Buchentwurfs. ... Er beherrschte alle gebrauchsgrafischen Techniken - vom Holzstich bis zur Kreidezeichnung. Er arbeitete für den Trickfilm und die Presse, gestaltete Prospekte, malte Plakate, kalligrafierte, entwarf Bühnenbilder und Kostüme, Abziehbilder und Briefmarken, schuf Bleiverglasungen, Exlibris, Filmprogramme, Glasuntersetzer, Hausfassaden, Schallplattenhüllen, Postkarten, Signete, Wandschmuck, Glückwunschkarten - und vor allem Bücher. Über 800 Bücher. ...
Und Werner Klemke beeinflusste als Professor an der Berliner Kunsthochschule in Weißensee die Bildsprache dieses Landes. Dieser in der Buchgeschichte einmalig schaffende Künstler war wegen seiner über 35 Jahre lang stets mit einem kleinen Kater versehenen Titelzeichnungen der Zeitschrift Das Magazin so bekannt und beliebt, dass er sogar mit dem für seine Schlagfertigkeit und gefährlichen politischen Spitzen populären Conferencier 0. F. Weidling 1982 eine ganze Femsehshow mit unterhaltsamem Gespräch über Gebrauchsgrafik ausfüllen konnte.
" Im Folgenden geht Martin Z. Schröder wie auch Harald Kretzschmar auf die lange Zeit unbekannt gebliebene Kriegsgeschichte Klemkes in Nordholland ein: "Unter Fotos und Dokumenten aus der Besatzungszeit fand sich (2011) ein Aufsatz ..., der über deutschen Soldaten berichtet: Johannes Gerhardt und Werner Klemke." Es stellte sich heraus, "dass Klemke durch Fälschung von Dokumenten nicht-jüdische Abstammungen erfunden und somit Deportationen verhindert sowie zweimal versucht hatte zu desertieren. ... Offenbar stellte den Kontakt ein zweiter Soldat her, der Fotograf Johannes Gerhardt, der mit Klemke bei der Luftabwehr diente und den Mels de Jong im Antiquariat „Erasmus" in Amsterdam kennengelernt hatte. Diese Buchhandlung war von Abraham Horodisch, einem promovierten Wirtschaftswissenschaftler, bedeutenden Verleger, Büchersammler und Handpressendrucker, nach seiner Flucht aus Berlin im Juni 1933 gegründet worden. ... Die beiden jungen deutschen Soldaten, die so kühn die deutsche Mord- und Raublust verweigerten, sind nicht weniger Helden als die Offiziere des 20. Juli. Nur haben sie ihre Geschichte nie erzählt."

Ende des Jahres wird eine
Filmdokumentation von Annet Betsalel zu diesem Lebensabschnitt von Werner Klemke fertiggestellt sein, unterstützt auch von der Pirckheimer-Gesellschaft.

Schwarzmarkt Trier

Unter diesem Titel wird es am ersten Oktoberwochenende neben den bekannten Messen ein weiteres Treffen der Pressendrucker geben, die 1. Trierer Handpressenmesse. An ihr werden 62 Aussteller aus Hamburg, Berlin, Potsdam, Leipzig, Weimar, Aachen, Köln, Freiburg, München, aus Luxemburg, Belgien und der Schweiz teilnehmen.
Veranstalter der Handpressenmesse ist die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Trier e.V. Es wird ein, unter der Leitung von Prof. Andreas Hogan (Schrift/Typografie/Design Typografie) und Prof. Henriette Sauvant (Illustration/Buchgestaltung) von Studierenden im Rahmen der Semester-Projektarbeit geschaffener, Katalog in einer Auflage von 500 Exemplaren erscheinen, 50 Exemplare werden mit einem handsignierten Original-Holzschnitt getrüffelt.
Die Organisatoren der Messe Bernhard Maria Müller und David Pensé erklärten: "Wir möchten mit der Präsentation von "handgemachter Kunst" ein Gegengewicht zum Aspekt der Entsinnlichung setzen, die häufig der auf modernen Techniken beruhenden Kunstproduktion anhaftet. Und wir möchten ein Forum zur Begegnung und zum Austausch Kunstschaffender und Kunstinteressierter bieten, und so im direkten Kontakt erfahrbar machen, welche Menschen mit welchen Materialien und Techniken diese Prozesse gestaltet haben."

Handpressen-Mese: 4. und 5. Oktober

Europäische Kunstakademie Trier

Freitag, 22. August 2014

Besuch in Potsdam

Den Berliner Bibliophilen Abend führte heute eine Exkursion nach Potsdam.
Am Vormittag wurden die Teilnehmer von der Leiterin der Bibliothek, Frau Renate Göthe, über die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf (ehem. Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf) und Besonderheiten der Bibliothek/Mediathek informiert und konnten im Kinosaal verschiedene Studien und Arbeiten der Studenten begutachten. Anchließend nahmen die Exkursionsteilnehmer ein gemeinsames Mittagessen in der Cafeteria der Filmuniversität ein.
Nachmittags besuchten die Teilnehmer das Fontane-Archiv in der wundervoll restaurierten Villa Quandt in der Großen Weinmeisterstr. und besichtigten unter Führung des Bibliotheksleiters Peter Schaefer die die Bibliothek und das Archiv.
Fotos © Christina Klinkenstein

Gunther Ball (1924 - 2014)

Mit Trauer müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der langjährige Vorsitzende der Neubrandenburger Regionalgruppe der Pirckheimer-Gesellschaft Gunther Ball am 15. August kurz vor Vollendung des 90sten Lebensjahres verstorben ist.
Von der Regionalgruppe herausgegeben veröffentlichte der gelernte Pädagoge und Sammler von Abecedarien, Fabeln, Faustica und Mecklenburgica Gunther Ball 1998 die Verlagsgeschichte Fünf Jahrhunderte Buchdruck in Neubrandenburg.
Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Montag, dem 1. September um 14:00 Uhr auf dem Neuen Friedhof in Neubrandenburg statt.

Mittwoch, 20. August 2014

Das Eigene und das Fremde

Israelische und Deutsche Illustratoren zu Gast im Museum Burg Wissem


Zeev Engelmaier: Collage zum Projekt
Diese Ausstellung wird die Ergebnisse einer ca. einjährigen Arbeitsphase präsentieren, in der israelische und deutsche Teilnehmer/innen in engem Austausch miteinander gearbeitet haben.
Im Rahmen dieses Projektes waren 2013 zunächst fünf israelische Illustratoren in Deutschland zu Gast und haben im Bilderbuchmuseum mit fünf deutschen Illustratoren und Illustratorinnen zusammen gearbeitet.
Ein Gegenbesuch der deutschen Illustratoren in Israel erfolgte im Frühjahr 2014. Das Ausstellungsprojekt des Troisdorfer Bilderbuchmuseums mit Arbeiten bedeutender israelischer und deutscher Illustrator/innen entstand in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jens Thiele (Münster), der Bezalel Akademie in Jerusalem und mit Unterstützung der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum, des Goethe-Instituts Israel und des Rotary Clubs Troisdorf sowie Vamos – Eltern-Kind-Reisen. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog in deutscher, englischer und hebräischer Sprache.


Ausstellung: 6. September bis 5. Oktober 2014

è Burg Wissem, Bilderbuchmuseum
Burgallee

53840 Troisdorf

Buch und Buchhandel in Zahlen

Im Zusammenhang mit dem beim MVB soeben erschienenen Titel “Buch und Buchhandel in Zahlen 2014”, welches Auskunft gibt über alle zählbaren und berechenbaren Tatsachen und Zusammenhänge im Buchhandel, ist jetzt auch ein visualisierendes Infografik-Plakat mit den wichtigsten Fakten erschienen, Das Plakat kann u.a. als PDF auf boersenblatt.net herunterladen werden.
Die untenstehende Abbildung zeigt zeigt eine Infographik zum Leseverhalten.

Montag, 18. August 2014

MORPH 2014

Unter diesem Motto wird Ende Oktober in der Alten Weberei in Finsterwalde (Niederlausitz) eine Gruppenausstellung eröffnet, auf der auch wieder der Pirckheimer Lutz Nessing, diesmal mit seiner Installation HAKELEI (Früh krümmt sich ...!?), vertreten sein wird.

Eröffnung: Sonnabend, 30. August 2014, 16.30 Uhr

Alte Weberei
Oscar-Kjelberg-Straße 9 (ehem. Leipziger Straße)
03238 Finsterwalde

Samstag, 16. August 2014

Kunst aus Halle

von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart

Albert Ebert: Im Atelier, Lithographie, 1965,
Plakat zur Ausstellung in Ahrenshoop
Die Galerie der Berliner Graphikpresse zeigt ab Ende August in einer Ausstellung Traditionslinien der Malerei in Halle über Charles Crodel, Erwin Hahs, Karl Völker und ihren Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg. Kurt Bunge, Ulrich Knispel, Gerhard Hoehme, Waldemar Grzimek, Hermann Bachmann, Jochen Seidel, Herbert Kitzel und Otto Möhwald gehörten zu Beginn der 50er Jahre zur Speerspitze der Moderne in Deutschland. Ihre Eigenständigkeit und die verinnerlichte Formauffassung in der Tradition der Burg Giebichenstein standen in krassem Gegensatz zur staatlichen Kulturpolitik und lösten den Formalismus-Streit aus. Die Mißachtung, die Propaganda gegen sie führte nicht nur zu ihrer Isolation, sondern zwang viele Hallenser Künstler zur Ausreise nach Westdeutschland.
Der Aderlaß zwischen 1950 und 1958, bei dem bis auf Otto Möhwald alle bedeutenden Maler aus Halle die DDR verließen, ließ sich nicht ungeschehen machen. Der Verlust war nicht auszugleichen, so daß die Jahre von 1945 bis 1958 als Blütezeit der Hallenser Malerei anzusehen sind.
Otto Möhwald, der in Halle so stark familiär verwurzelt war, daß er den Schritt der Ausreise nicht tat, mußte als Bauhelfer seinen Lebensunterhalt verdienen. Er blieb seiner Kunstauffassung bis zum heutigen Tage treu und ließ sich nicht durch staatliche Karrieren wie die Willi Sittes beirren.
Den meisten Künstlern, die Halle verließen, tat dieser Schritt im Nachhinein leid. Bachmann, Kitzel und Seidel sahen es später als Fehler an, sich nicht wie Otto Möhwald durchgesetzt und die Beschwernisse, Mißachtung und Isolation auf sich genommen zu haben. Sie waren geistig und künstlerisch entwurzelt trotz großer Anerkennung in Berlin, Düsseldorf, Karlsruhe, Kassel und New York. Eine Sonderstellung in der Hallenser Kunst späterer Jahre nimmt der naive Maler und Graphiker Albert Ebert ein, dessen Werk sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.
 
Eröffnung 28. August 2014, 19:00 Uhr
Einführende Worte: Mi8chael Bunge,
Musik: Ilse Klein, Oboe

Ausstellung: 28. August bis 26. September 2014

è Galerie der Berliner Graphikpresse
Silvio-Meier-Str. 6
10247 Berlin

Freitag, 15. August 2014

Theatermetropole Berlin 1918-1933

Das Theater galt zu Beginn der Weimarer Republik als einer der Bereiche, in denen die Revolution von 1918 reale Spuren hinterlassen hat. Grund dafür war die weitgehende Übernahme des Theaterapparats durch die öffentliche Hand, während vor dem Ersten Weltkrieg sogenannte (sich ausschließlich selbst finanzierende) Geschäftstheater überwogen hatte. In den ersten Nachkriegsjahren beherrschten expressionistische Stücke mit "revolutionär" anmutenden Inhalten und Techniken die deutschen Bühnen.
Im Foyer der Universitätsbibliothek der FU wird nun eine von Andrea Jeder betreute Ausstellung zur Berliner Theatergeschichte 1918-1933 mit einer Auswahl von Büchern aus dem Bestand der Universitätsbibliothek gezeigt.
Anlass für diese Ausstellung ist die abschließende Bearbeitung von Material aus der „Bibliothek Hans Knudsen“, das über viele Jahre hin nur pauschal als „Kleinmaterial“ nachgewiesen und nicht einzeln erschlossen war. Darunter befinden sich Theaterprogramme und andere Kleinschriften, die teilweise von großer Seltenheit und besonderem Wert sind.

Ausstellung: 11. August bis 30. September 2014,
Mo-Fr von 9.00 bis 20.00 Uhr


Foyer der Universitätsbibliothek der FU Berlin
14195 Berlin-Dahlem
Garystraße 45

Mittwoch, 13. August 2014

Sommerfest im Kunsthaus Müller

Holger Koch - Durch die Stadt, Steindruck, gedruckt von Christian Müller
Das Kunsthaus Müller präsentiert derzeit eine Ausstellung des Malers und Graphikers Holger Koch. Im Rahmen dieser Ausstellung findet am kommenden Sonnabend ein Sommerfest statt, bei sonnigem Wetter vor dem Hause, bei ungünstiger Witterung in der Galerie. Es hängt wieder die traditionelle Wäscheleine für die Kunst. Gerd Schenker übernimmt die musikalische Umrahmung und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Der Künstler Michael Fischer-Art, der den Wurzbacher Turm bemalt hat und der Steindrucker Christian Müller versuchen, bis zu diesem Termin eine Überraschung fertigzustellen, das Wurzbacher Ersatzgeld.
Ende August findet ein Galeriegespräch mit Holger Koch statt. Zur Ausstellung erscheint eine Vorzugsgraphik, ein Mehrfarben - Steindruck mit dem Titel "Die großen Erwartungen". Auflage 40 Exemplare, Motivgröße 38 cm x 28 cm. Blattgröße 53,5 cm x 39,5 cm. Vorzugspreis 90 Euro, nach der Ausstellung 180 Euro.

Ausstellung: 27. Juli bis 30. September 2014
Sommerfest: 16. August 2014
Galeriegespräch: 31. August 2014

Kunsthaus Müller

è Kunsthaus Müller & Galerie für zeitgenössische Kunst
Markt 6
07343 Wurzbach/Thüringen
*
Verlag Bärbel Müller

Sonntag, 10. August 2014

Sommerfest bei PalmArtPress

PalmArtPress feiert noch Sommer mit "That Ol' Devil Moon" und einem breit gefächertem Buffet, Wein, Sekt und Säfte ... so viel Sie möchten! Die Stimmung wird heiss ...

That Ol’ Devil Moon
Deborah Weitzman - Gesang und Gitarre
mit Bernd Kircher – Saxophone &
Lutz Wernicke – Geige
Mit ihrer erdigen Stimme erzählt Deborah Weitzman in ihren Liedern Geschichten aus dem Leben. Die viel gereiste Sängerin und Songschreiberin aus New York schafft so eine einzigartige Verbindung aus amerikanischem Folk mit Tango, Latin und mediterranen, latino-yiddischen Elementen. Bernd Kircher und Lutz Wernicke weben mit Saxophon und Geige einen farbig-vielschichtigen Teppich, auf dem die Songs abheben. Weltmusik im besten Sinne!
Der Preis für Konzert, Speis & Trank beträgt 15 Euro. Um Anmeldung wird gebeten.
Herzlichst
Catharine Nicely u. Wolfgang Nieblich
 
22. August 2014 um 19 Uhr

PalmArtPress
Pfalzburger Str. 69, 10719 Berlin
Tel. 86390429

Samstag, 2. August 2014

Salvador Dalí (1904 - 1989)

Welche Schädel und welche Schädelharfe

Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgrafik zur Weltliteratur (1930 - 1980) anlässlich seines 110. Geburtstages

Zum komplexen Gesamtwerk von Salvador Dalí gehören neben der Malerei vor allem auch seine Illustrationen zur Weltliteratur. Ca. 300 Exponate stellt das Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder) vor. Es handelt sich jedoch nicht um die „Bebilderung“ von Literatur, sondern um Interpretationen mit „paranoia-kritischer“ Neubewertung berühmter Texte von Autoren der Literaturgeschichte.
So werden in opulenter Fülle neben zahlreichen meist großformatigen Zeichnungen, Aquarellen und Gouachen in der Ausstellung auch Vorzeichnungen und Zustandsdrucke, Druckstöcke und -platten aus Holz, Zink, Kupfer und Gold gezeigt, die es ermöglichen, Informationen über Konzepte und Realisierungen der umfangreichen Illustrationsreihen zu erhalten.
Der Leihgeber Richard H. Mayer, der engsten Kontakt zum Künstler und zu dessen Werk besaß, hat Vieles von Dalí bzw. aus dessen engstem Umkreis erwerben können.
Neben der Fülle von wertvollsten Unikaten aus über 50 Schaffensjahren Dalís sind aber auch Schrifttafeln zur Besonderheit von Künstler und Werk zu finden. Hinzu tritt Wissenswertes zur Literatur und den jeweiligen Autoren, wodurch die einzelnen Arbeiten Dalís für den Betrachter noch besser nachzuvollziehen sind.
Der Pirckheimer Ralf Parkner und der Lyriker Henry-Martin Klemt haben auf Facebook einige Fotos von der Eröffnungsausstellung eingestellt.
 
Ausstellung: 29. Juli - 19. Oktober 2014
 
Museum Junge Kunst
Rathauishalle, Marktplatz 1
15230 Frankfurt (Oder)

Ein Stolperstein für David Salomon

Auf den am 6.5.2014 auf Initiative von Bernd-Ingo Friedrich und der Pirckheimer-Gesellschaft verlegte Stolperstein für David Salomon wird jetzt auch auf berlin.de aufgeführt.Der Antiquar und Autographenhändler David Salomon wurde am 30. November 1866 in Nakel (Kreis Wirsitz in der Provinz Posen/Poznan; heute Naklo/Polen), geboren. Am 10.1. oder 10.6.1912 ist er „aus dem Judentum ausgetreten“.
1937 und 1938 wurden Autographen aus David Salomons Besitz auf Versteigerungen des Auktionshauses J. A. Stargardt in Berlin angeboten. Am 28.10.1937 waren es 27 Briefe von 21 Personen mit einem Taxwert von 402 RM und am 3.2.1938 noch einmal 343 Briefe von 213 Personen mit einem Taxwert von 4 401 RM, insgesamt also 370 Briefe von 234 Personen im Schätzwert von 4 803 Reichsmark. Es handelte sich dabei um ein offenbar eilig, noch vor dem Erlass der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ am 12.11.1938, welche die Schließung aller jüdischen Geschäfte bis Jahresende zum Inhalt hatte, zusammengestelltes Sortiment mit berühmten Namen. Autographen aus dem Besitz David Salomons, erkennbar an gelben Briefumschlägen mit seiner Handschrift, tauchen gelegentlich noch im Handel auf, darunter auch Stücke aus der Sammlung des Germanisten Dr. Rudolf Wolkan, die Salomon 1931 geschlossen angeboten hatte.
David Salomon ist an einem unbekannten Datum vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert worden. Eine nachträglich ausgefertigte Sterbeurkunde des Sonderstandesamtes Arolsen vom 30. Januar 1992 nennt als Todesdatum von David Salomon den 18. Februar 1943, er war 76 Jahre alt.
Der Journalist und Pazifist Berthold Jacob (eigentlich: Berthold Jacob Salomon, 1898–1944), bekannt geworden durch seine Veröffentlichungen über die Pläne der deutschen Reichswehr zur heimlichen Aufrüstung unter des Umgehung des Versailler Vertrags, war ein Sohn aus der ersten Ehe David Salomons
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(Bernd-Ingo Friedrich)